Das Geheimnis des Lichts: Leben und Lehre von Omraam Mikhaël Aïvanhov

Das Geheimnis des Lichts: Leben und Lehre von Omraam Mikhaël Aïvanhov

by Georg Feuerstein

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Overview

Das Geheimnis des Lichts ist die erste Gesamtdarstellung des Lebens und der Lehre des geistigen Meisters Omraam Mikhaël Aïvanhov. Er wurde im Jahre 1900 in Bulgarien geboren und war Schüler des Meisters Peter Deunov (Beinsa Duno), der herausragendsten spirituellen Persönlichkeit im neuzeitlichen Bulgarien. Im Jahre 1937 begab er sich auf Weisung seines Lehrers nach Frankreich, wo er fast ein halbes Jahrhundert lang lebte und lehrte bis zu seinem Tod im Jahre 1986. Während Aïvanhovs erster Indienreise erkannte ein berühmter Yogi in ihm die Reinkarnation eines Sonnen-Weisen aus vedischer Zeit. Es ist tatsächlich so, dass die Sonne mit ihrem geistigen Aspekt die wichtigste Rolle in seiner Lehre spielt, einer Lehre, die er selbst als eine Form von Sonnen-Yoga bezeichnete. "Es gibt keine Arbeit, die kostbarer, mächtiger und wunderbarer ist, als die Arbeit mit dem Licht," sagte Aïvanhov. Gestützt auf seine umfassende Kenntnis der spirituellen Überlieferung vergangener Zeiten ist es Georg Feuerstein gelungen, den einzigartigen Kern der Lehre Aïvanhovs zu erfassen und den westlichen Spiritualisten ein lebendiges Porträt eines der größten 'Boten des Lichts' unserer Zeit zu vermitteln. Dr. phil. Georg Feuerstein ist ein Spezialist auf dem Gebiet des Yoga und ein Religionshistoriker, der in seine Arbeit tiefe spirituelle Erfahrung einbringt. Er verfasste mehr als zwanzig Bücher, u.a. Sacred Paths, The Yoga Tradition, Living Yoga und Holy Madness (dt.: Heilige Narren).

Product Details

ISBN-13: 9783895159923
Publisher: Prosveta Deutschland
Publication date: 05/13/2019
Sold by: Libreka GmbH
Format: NOOK Book
Pages: 252
File size: 33 MB
Note: This product may take a few minutes to download.
Age Range: 14 - 18 Years

About the Author

Georg Feuerstein, geboren am 27. Mai 1947 in Würzburg, Doktor der Philosophie und Magister der Literatur, hat Weltruf erlangt durch seine Forschungsarbeit auf dem Gebiet des Yoga. Er hat über zwanzig Bücher verfasst darunter die prämierte Shambala Encyclopedia of Yoga sowie Sacred Paths – Wholeness or Transcendence? – Holy Madness (dt.: Heilige Narren) und Sacred Sexuality (dt.: Gott und die Erotik). Zusammen mit seiner Frau Trisha Lamb Feuerstein hat er Voices on the Threshold of Tomorrow herausgegeben. Er ist Mitherausgeber der Zeitschriften Yoga Journal, Inner Directions und Intuition. Er ist Gründer und leitender Direktor des Yoga Research Center und Vorstandsmitglied der Healing Buddha Foundation in Sebastopol, Kalifornien. Sein Hauptanliegen ist es, die praktische Seite der Spiritualität so darzulegen, dass er damit sowohl den Intellekt als auch das Herz der Menschen anspricht, die auf der Suche nach der Wahrheit sind. Seit 1981 lebte er in Nordkalifornien, wo er in der Stille der Berge die nötigen Ressourcen für seine intellektuelle Arbeit und ein kontemplatives Leben fand. Georg Feuerstein starb am 25. August 2012 im Alter von 66 Jahren in Saskatchewan, Kanada.

Read an Excerpt

Kapitel 1: Die frühen Jahre Die Prophezeiung In eine arme Familie wird ein reines Kind hineingeboren. Dieser Adler wird aus einem Land des Balkan in das Land des Hahnes fliegen. Und sich dort niederlassen. Sein Name gleicht dem meinen und wird der Welt lange in Erinnerung bleiben. Die Völker der Erde werden seine Stimme hören. Und auf Unheil und Verderben wird ein Neues Zeitalter folgen. So lautet ein Vers von Nostradamus, dem großen Astrologen und Propheten des sechzehnten Jahrhunderts. Dieser Vers wurde 1957 auf einem alten Pergament in Südfrankreich entdeckt. Mehr als dreihundert Jahre nach Nostradamus wurde Mikhaël Aïvanhov in Bulgarien, einem Land auf dem Balkan, geboren. Das »Land des Hahnes« ist kein anderes als Frankreich, dessen Emblem einen Hahn aufweist. Aïvanhov war es, der 1937 nach Frankreich entsandt wurde, um dort die geistige Lehre zu verbreiten, in die ihn der ehrwürdige Peter Deunov eingeweiht hatte. Der Hahn ist ein Symbol für die aufgehende Sonne, für ständige Wachsamkeit, und sowohl die Sonne als auch die Wachsamkeit spielen eine zentrale Rolle in Aïvanhovs Lehre. Der Adler in der Prophezeiung versinnbildlicht auch die hochstehende Sonne – ein passendes Symbol für Meister Aïvanhov, der kühn in die Dimension des göttlichen Geistes emporschwebte, in die Nähe der Quelle allen Lichts. Und schließlich lautete der volle Name von Nostradamus ›Mikaelis de Nostradamus‹, wie auf seinem Grabstein in der Kirche von Saint-Rémy in Salon-de-Provence geschrieben steht. Auf einer Tafel an der Wand des Hauses, in dem er am 2. Juli 1566 verstarb, steht sein Name: Michel Nostradamus. Der französische Name Michel lautet auf Englisch Michael, und auf Bulgarisch Mikhaël. Ist das alles Zufall? Vielleicht. Aber wenn man davon ausgeht, dass Nostradamus nicht nur ein Verrückter war, sondern tatsächlich in die Zukunft blicken konnte, und man ferner die Möglichkeit einräumt, dass Mikhaël Aïvanhovs Name eines Tages bekannter sein könnte als heute, scheint es nicht zu weit hergeholt zu sein, wenn man den Vers von Nostradamus mit ihm in Verbindung bringt. Wie dies auch immer sei, die historische Bedeutung von Mikhaël Aïvanhov und seiner spirituellen Lehre hängt nicht von unseren Mutmaßungen über den möglichen Sinn solcher Prophezeiungen ab. Aïvanhovs Leben und vor allem sein Werk sprechen für sich selbst. Aïvanhov selbst hat nie daran gezweifelt, dass seine Lehre des Lichts, die uralte Wurzeln hat, eines Tages weltweit anerkannt würde. Aber um diese Vorhersage richtig zu verstehen, müssen wir auch verstehen, dass er seine Lehre als Verkündung universeller spiritueller Prinzipien ansah. Er war keineswegs so anmaßend, dass er eine weltweite Bewegung erwartete, die auf der besonderen Form aufbaute, die er diesen Prinzipien gegeben hatte. Es ist vielmehr so, dass er mit dieser Vorhersage seinen persönlichen Glauben in die Weisheit der menschlichen Evolution zum Ausdruck bringen wollte, die die Menschheit eines Tages zu einer universellen Spiritualität führen würde. Wie viele spirituelle Persönlichkeiten, war Aïvanhov wenig geneigt, über sich selbst zu sprechen. Er wollte erreichen, dass die Menschen ihre Aufmerksamkeit auf seine Lehre richten, anstatt an seiner Person zu hängen. Sein eigenes Leben war nur insofern von Bedeutung, als es die Gültigkeit der Lehre bewies, die er vertrat. Lehrer, so bemerkte er einmal, schaffen sich sozusagen selbst als Kunstwerke. Er führte diesen Gedanken so aus: Ich bewundere Kathedralen, Symphonien und Statuen, aber das wahre Ideal für den Menschen besteht darin, all diese herrlichen Werke in seinem Inneren zu schaffen. Man soll selber Gemälde und Statue, Dichtung, Musik und Tanz sein... Ein Mensch, der sich selbst als Kunstwerk gestaltet, ist für die Menschheit wertvoller als alle Bibliotheken, Museen und Kunstwerke zusammen genommen, denn diese sind tot, während er lebendig ist. Glücklicherweise hat Aïvanhov über die Jahre hinweg in seinen Vorträgen und privaten Gesprächen gerade so viel von sich selbst mitgeteilt, dass seine Schüler Vertrauen fassen und ihm glauben konnten. Was er hierbei verschiedentlich offenbarte, lässt für uns den Schluss zu, dass er ein recht außergewöhnliches Leben führte, das er schon früh nach höheren Idealen ausrichtete, das reich an Erfahrung und Einsichten war und spirituelle Vollkommenheit ausstrahlte. Kindheitsjahre in Bulgarien Bulgariens historische Wurzeln reichen zurück bis ins frühe Neolithikum. Zu dieser Zeit hatte die Religion der ›Großen Göttin‹ die Herzen und die Vorstellung der Menschen beherrscht, wie die amerikanische Archäologin Marija Gimbutas in ihrem epochalen Werk »The Goddesses and Gods of Old Europe« aufgezeigt hat. Archäologische Spuren, die auf über 9.000 Jahre zurückreichen, weisen auf eine komplexe und mannigfaltige Religionskultur in Osteuropa hin. Diese Kultur kannte Heiligtümer, Rituale, kultische Utensilien, Festgewänder, heilige Zeichen, Musik, Kunst und Mythologie. An oberster Stelle standen die Göttin der Vegetation (oft als Vogel oder Schlange abgebildet) und der Gott der Vegetation, ein Vorläufer des späteren Dionysos. Gott und Göttin ergänzten sich gegenseitig, wobei der Göttin-Mutter die symbolische und rituelle Hauptrolle zukam. Diese alteuropäische Kultur stand Pate für die minoische Zivilisation. Sehr wahrscheinlich erfuhren diese großen Kulturen eine radikale Veränderung, als die indo-europäischen Stämme im Mittelmeerraum auftauchten. Sie wurden jedoch nicht völlig zerstört, sondern bildeten ein reiches Substrat in der neu entstehenden Kultur. Viele der alten Symbole galten weiterhin und wurden von der weiblichen Bevölkerung am Leben erhalten. Gimbutas stellt fest: Die Religion der Göttin verschwand von der Oberfläche. Teile der alten Überlieferung, insbesondere jene, die Geburt, Tod und Fruchtbarkeitsrituale betrafen, leben bis heute fast unverändert in einigen Regionen fort; in anderen Regionen wurde diese Überlieferung mit der indo-europäischen Ideologie verschmolzen. Gimbutas fährt fort: Es steht außer Frage, dass alteuropäische heilige Bilder und Symbole immer noch einen wesentlichen Teil des kulturellen Erbes in Europa ausmachen. Die meisten von uns kamen in ihrer Kindheit mit der Welt der Märchen in Berührung, die viele Bilder enthielten, die aus Alt-Europa stammten. In einigen Ecken Europas, wie in meinem eigenen Heimatland Litauen, fließen immer noch heilige Flüsse und Quellen mit Zauberkraft: Es wachsen heilige Wälder und Gehölze, Orte blühenden Lebens, wo knorrige, kraftstrotzende Bäume gedeihen, denen man Heilkräfte zuspricht. An Wasserläufen stehen immer noch Menhire – man nennt sie »Göttinnen« – in denen geheimnisvolle Kräfte schlummern. Die alteuropäische Kultur war der Nährboden für wesentlich spätere Glaubenspraktiken. Die Erinnerung an eine lange, gynozentrisch geprägte Vergangenheit kann nicht einfach gelöscht werden... Aïvanhov, der in dem kleinen mazedonischen Dorf Serbtzi nahe des Berges Pelister am Fuße der Babuna Planina (›Großmutters Gebirge‹) am 31. Januar 1900 das Licht der Welt erblickte, wurde also in eine Kultur eingebettet, die auf sehr weit zurückreichenden und tief verwurzelten Traditionen ruhte, die einstmals von Frauen überliefert wurden und immer noch größtenteils von Frauen mit Bedacht gepflegt werden. Seine Mutter war eine große Heilerin und bewahrte zweifellos alte Lehren in ihrer Heilpraxis. In einem Vortrag, den Aïvanhov 1969 hielt, als seine Mutter noch lebte, enthüllte er Folgendes über sie: ...meine Mutter behandelte viele Leute, indem sie nur auf den Nabel einwirkte. Heute noch, in ihrem Alter, behandelt sie viele Leute. Sie lässt diese sich hinlegen und den Nabel frei machen, wickelt ein Taschentuch um ihren Finger, den sie darauf in etwas Asche taucht und dann auf dem Nabel kreisen lässt. Sie sagt, dass sich im Bauchnabel ein wichtiger Knotenpunkt befindet, und wenn dieser verschoben ist, gerät der ganze Organismus aus dem Gleichgewicht. Also muss dieser Knotenpunkt wieder an seinen Platz gebracht werden, und eben das macht sie. Als ich klein war, hat sie auch mich auf diese Art gesund gemacht. Mikhaël Aïvanhov sprach auch über die ehrfurchtsvolle Art und Weise, mit der seine Mutter seine Empfängnis Gott widmete: Meine Mutter hat mir erzählt, sie habe mich in dem Gedanken empfangen und ausgetragen, dass ich mich dem Dienste Gottes weihen sollte. Man sagt auch, dass selbst der Pope, der mich getauft hat, an dem Tag so glücklich war, dass er sich zum ersten Mal in seinem Leben betrank... normalerweise trank er nie! Er versicherte später, er habe nur deswegen getrunken, weil ich bestimmt ein besonderes Kind wäre, das sich von den anderen unterschied. Er machte auch eine Prophezeiung in Bezug auf mich... aber die brauche ich euch nicht zu verraten! Aïvanhov beeilte sich hinzuzufügen, dass die Weihe seiner Mutter ihn keinesfalls bei seiner Geburt zu einem außergewöhnlichen Wesen gemacht hatte. Aber sie zündete einen Funken, der schließlich zu einer Flamme wurde. In Übereinstimmung mit Aïvanhovs Lehre können wir natürlich auch annehmen, dass ihn in erster Linie die moralische Größe und das geistige Gespür seiner Mutter so anzogen, dass er ihren Mutterleib wählte. Aïvanhov gab unumwunden zu, dass seine Mutter in seinem Leben eine zentrale Rolle spielte. Vor allem lehrte sie ihn, Frauen zu lieben und zu respektieren. Sie zeigte ihm die erhabene Bedeutung der Mutterschaft, die keine Grenzen kennt in Selbstaufopferung, Geduld und Liebe. »Ich habe nie etwas kennen gelernt, das der Großartigkeit des Lebens einer Mutter gleichkäme«, sagte er und fügte hinzu, »mit Ausnahme natürlich des Lebens meines Meisters Peter Deunov.« Wir wissen wenig über Aïvanhovs Mutter, die 1973 im Alter von 97 Jahren starb, aber wir können ungeachtet dessen sagen, dass sie eine bemerkenswerte Frau gewesen sein muss. Sie war seine erste Lehrerin. Sie schrie ihn nie an, schlug ihn nicht und zwang ihn zu nichts. Stattdessen erklärte sie ihm geduldig und sanft die Wahlmöglichkeiten, die er hatte, und welche Konsequenzen sich jeweils daraus ergeben würden. Dann überließ sie ihm die Wahl seines Weges. Aïvanhovs Haltung gegenüber seinen Schülern war ähnlich geduldig und tolerant. Selbst wenn er es gelegentlich für notwendig befand, einen Schüler zurechtzuweisen, drängte er nie jemanden dazu, einen bestimmten Weg einzuschlagen. Er glaubte unerschütterlich an die Wahlfreiheit eines Menschen. »Worin bestünde die Größe Gottes, wenn wir keinerlei Freiheit besäßen?« fragte Aïvanhov einmal. In letzter Zeit gab es allzu viele Berichte über charismatische Lehrer, die ihre Schüler in Fesseln legten, anstatt sie frei gewähren zu lassen. Jeder Mensch muss sein eigenes Lied singen, und weise, einfühlsame Lehrer werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihren Schülern dabei zu helfen, zu ihrem persönlichen Lied, ihrem eigenen einzigartigen Weg in die Gemeinschaft der Höheren Wirklichkeit zu finden. Aïvanhov erinnerte sich daran, wie seine Mutter immer bereit war, zu helfen und andere zu trösten, und wie sie ohne zu klagen, ihre eigene Bürde auf sich nahm. Er erinnerte sich daran, wie sie manchmal weinte, jedoch nie vor Leuten, nicht einmal vor ihrer eigenen Familie. Sie ahnte nicht, dass der kleine Mikhaël ihren Kummer mitbekam. Er bemerkte auch, wie sie schnell ihre Tränen wegwischte, wenn ein Nachbar Hilfe brauchte, und sie sich geduldig die Probleme des anderen anhörte. »Sie fand immer die richtigen Worte, um anderen Mut zu machen und Vertrauen zu geben,« sagte Aïvanhov. Seine Mutter war auch eine außergewöhnliche Frau, die die Sprache der Natur verstand. Sie war oft meilenweit unterwegs, um Essen herbeizuschaffen, und im tiefen Winter kämpfte sie sich durch den Wald, wenn man ihre Dienste als Hebamme brauchte. So nimmt es wenig Wunder, dass Aïvanhov den Frauen eine bedeutendere Rolle in der erwachenden neuen spirituellen Kultur zuerkannte als den Männern. In vielen seiner Vorträge wandte er sich insbesondere an die Frauen und übertrug ihnen die Verpflichtung, ihre Kinder mit dem Geist der Liebe und der Harmonie zu erfüllen, damit die Welt zum Besseren gewendet werden könne. »Die Frau,« stellte er einmal fest, »kann große Wunder vollbringen, denn sie besitzt den Schlüssel zu den Kräften des Lebens.« Aïvanhov spricht den Frauen Kraft zu. Sie müssen jedoch erkennen, dass ihre Kraft – so groß sie im physischen Bereich auch sein mag – noch größer ist in der höheren Welt der Emanationen. In seiner Hochachtung vor dem weiblichen Geschlecht war Aïvanhov unwissentlich einer Meinung mit einem anderen großen Weisen seiner Zeit – Sri Aurobindo, Mystiker, Philosoph und vielseitig gebildeter Schriftsteller. Aurobindo machte einmal folgende Bemerkung: Die mittelalterlichen Asketen hassten die Frauen und dachten, dass sie von Gott erschaffen worden waren, um die Mönche in Versuchung zu führen. Man sollte – mit Verlaub – sowohl Gott als auch den Frauen mehr Respekt erweisen. Aus Aurobindos weiteren Ausführungen geht deutlich hervor, dass er den Frauen größte Hochachtung entgegenbrachte und ihnen die Fähigkeit zusprach, mit der psychischen Seite des Lebens leichter in Verbindung treten zu können als die Männer. Seine langjährige geistige Partnerin – »die Mutter«, wie sie ehrerbietig genannt wird – ging in ihrer Meinung noch einen Schritt weiter, als sie sagte: »Die Frauen sind eigentlich diejenigen, die die exekutive Gewalt innehaben.« Durch diese Äußerung wollte sie das weibliche Geschlecht stärken, das über viele Jahrhunderte hinweg von den Männern systematisch geschwächt wurde. Aïvanhov teilte mit ihr diese aufgeklärte Ansicht. Fraglos hatte Aïvanhovs Vater ebenfalls einen starken Einfluss auf seine Erziehung, aber er starb, noch nicht einmal dreißig Jahre alt, als Aïvanhov erst ein siebenjähriger Junge war. Seines Vaters Tod brachte seine Familie in eine Notlage. Er erinnerte sich: Mein Vater war gestorben als ich noch sehr klein war, und wir waren arm, so arm, dass meine Mutter mir keine Bücher kaufen konnte. Oft verließ ich morgens sogar ohne Frühstück das Haus, um ins Gymnasium zu gehen, und während der Unterrichtsstunden war ich so müde, dass ich beinahe einschlief. In der Pause borgte ich mir von meinen Kameraden die Schulbücher, um schnell etwas von der Lektion zu lernen, und wenn der Lehrer mich fragte, versuchte ich mich an das zu erinnern, was ich während der wenigen Minuten gelesen hatte. Jetzt sehe ich, dass alle diese Schwierigkeiten, mit denen ich zu kämpfen hatte, bestimmte Fähigkeiten in mir weckten, von denen ich später profitierte. Bequemes Leben benebelt. Zwei Jahre vor seines Vaters Tod hatte Aïvanhov ein Erlebnis, das nicht nur sein spirituelles Gespür offenbarte, sondern auch in seiner Psyche einen starken Eindruck hinterließ. Er war mit seinem Vater und anderen Dorfbewohnern in den Wald gegangen, um Holz für Holzkohle zu schlagen. Er beobachtete mit Begeisterung die hell brennenden Feuer. Damit er keine Dummheiten machte, gab ihm ein Freund seines Vaters das Evangelium des hl. Johannes zu lesen. Nachdem er die Geschichte von Jesus verschlungen hatte, brach der junge Mikhaël in Tränen aus: Er erkannte, dass er im Vergleich zu Jesus ein großer Sünder war, und er gelobte, von nun an ein gutes und aufrechtes Leben zu führen, das den Gefallen Gottes finden würde. Mikhaël war jedoch noch nicht ganz für einen so edlen Weg gerüstet. Der Augenblick der Einsicht und Reue ging bald in seiner jugendlichen Vitalität mit ihren Torheiten und Streichen unter. Aber solche Momente haben immer eine erzieherische Wirkung und gehen nie völlig spurlos vorbei. Sie sind Trittsteine auf dem Weg zu Selbsterkenntnis und Selbstüberwindung. In jenen Tagen konnte er sich anscheinend für vier Dinge begeistern. Er kletterte gerne auf Bäume – auf hohe Pappeln, soweit die Äste sein Gewicht trugen. Er liebte das Gefühl, hoch oben über allem zu sitzen und einen Überblick über das Leben unter sich zu gewinnen. Darin zeichnete sich bereits ab, wonach er später strebte: Immer das Gesamtbild vor Augen zu haben, das Leben vom Gipfel der Erleuchtung aus zu betrachten, anstatt im Tal egoistischen Daseins zu verharren. Als Kind beobachtete er auch gerne fließendes Wasser. In der Nähe seines Dorfes entsprang eine Quelle scheinbar aus dem Nichts, und ihr Wasser war wunderbar klar. Er sagte einmal: Ich erinnere mich noch an die paar Jahre, die ich in diesem Dorf verbrachte, und dabei blieb mir vor allem ein Erlebnis in Erinnerung: Ich war vier oder fünf Jahre alt, als ich in unmittelbarer Nähe des Hauses eine kleine Quelle entdeckte. Das glasklare Wasser, das aus dem Boden sprudelte, beeindruckte mich so, dass ich stundenlang davor saß und zusah. Dieses Bild hat sich mir sehr tief eingeprägt, und heute noch gibt es Augenblicke, wo dieses Gefühl freudigen Staunens in mir aufsteigt, so wie damals vor dieser kleinen Quelle. Mehrmals habe ich mich gefragt, was das Wasser für mich in so jungen Jahren wohl bedeutet haben mag. Für Aïvanhov manifestierte sich das weibliche kosmische Prinzip im Wasser, so wie das männliche im Feuer. In späteren Jahren mahnte er oft seine Schüler, so zu sein, wie die klaren Wasser eines Flusses und ernsthaft mit dem Wasserelement zu arbeiten. Auf Pappeln klettern und ins Wasser starren war ein ziemlich harmloser Zeitvertreib. Aïvanhov war jedoch auch so vom Feuer gefesselt, dass er eines Tages versehentlich die Scheune seiner Eltern in Brand setzte. Er verstand gar nicht, weshalb alle so besorgt waren und hinausrannten, um das Feuer zu löschen, das in seinen Augen so außerordentlich schön war. Die elterliche Scheune war keineswegs die einzige, die Aïvanhovs Leidenschaft für Feuer zum Opfer fiel. Später bedauerte er zutiefst diese Kinderdummheit, die über seine Eltern und das Dorf Unglück und Elend gebracht hatte. Wasser und Feuer übten zeitlebens Faszination auf ihn aus. In reiferen Jahren gewannen jedoch beide eine völlig neue Bedeutung für ihn. Das Wasser wurde zum Wasser des Lebens und versinnbildlichte das weibliche universelle Prinzip, während das Feuer den Geist repräsentierte, das ewige männliche Prinzip. Er setzte seine Faszination für Feuer in geistige Arbeit um, indem er zuerst seine eigene geistige Flamme entzündete und dann die Herzen der Menschen, anstatt ihr Eigentum. Aïvanhov erinnerte sich noch an einen weiteren Kindheitsstreich, in dem wir ebenfalls eine tiefere Symbolik entdecken können, wie er in einem seiner Vorträge ausführt. Eines Tages sah er sich den Familien-Webstuhl mit den zahlreichen sauber geordneten Wollfäden näher an. Unversehens schnitt er alle Fäden ab. Was er tat, kam ihm völlig normal vor und er konnte kaum verstehen, weshalb er nun wieder anderen Kummer bereitet hatte. Er musste diese Fäden einfach haben, obwohl er gar nicht wusste, wozu er sie hätte brauchen können. Er erklärte dies später: Ich war auf die Fäden aus, nicht auf die Nadeln, die waren mir einerlei. Es mussten Fäden sein... Wie soll man das interpretieren? Es erklärt sich so, dass ich die Nadeln, das männliche Prinzip, bereits besaß. Aber ich benötigte das weibliche Prinzip, die Materie, die Fäden, um Gewebe herstellen zu können. Schließlich hat mir Gott nach vielen Mühen diese Fäden geschenkt; und die habe ich nun. Aber bei euch fällt mir auf, dass ihr noch nie nach den Fäden gesucht habt, noch nie habt ihr ein ganzes Gewebe zerschnitten so wie ich! Das ist zwar eine Sünde, das gebe ich zu, doch habe ich diesen Fehler wiedergutgemacht, als ich vor ein paar Jahren in meinen Geburtsort zurückgekehrt bin... »Das Leben besteht aus miteinander verwobenen Fäden«, philosophierte er in späteren Jahren. Alles ist miteinander verknüpft und folgt dem ehernen Gesetz des Karma. Die Menschen sind in ihr selbstgeknüpftes Netz eingebunden, jedoch haben sie den einen lebenswichtigen Faden durchtrennt, ohne den sie im Netz des Lebens verloren sind, und dieser eine ist der Goldene Faden, der sie mit dem Göttlichen verbindet. Aïvanhovs spirituelle Arbeit bestand darin, karmische Fäden zu durchtrennen und Schülern dabei zu helfen, ihre Verbindung zum »Himmel«, jener strahlenden Welt des Lichts und der Glückseligkeit, zu finden und zu stärken. Diese Aufgabe verstand er als wahre Magie, und er betrachtete sich selbst als Brückenbauer zwischen der göttlichen und der physischen Welt. Aber wir greifen unserer Geschichte vor. In seiner frühen Kindheit konnte niemand die zukünftige Größe Aïvanhovs ahnen. Er war ein nachdenkliches, feinfühliges Kind, aber, wie wir gesehen haben, mit einigen ziemlich seltsamen Neigungen. Er bewegte sich offensichtlich in einer Realität, die sich etwas von der aller anderen unterschied. Das Universum war für ihn ein Ort voller Zauber, und er war eifrig dabei, sich darin zurechtzufinden. Er schätzte ganz besonders jene Gelegenheiten, wenn seine Großmutter oder andere ältere Besucher Geschichten erzählten. Er erinnerte sich vor allem an einen alten Mann, der ebenfalls Mikhaël hieß, und der sehr weise war. Aïvanhov sagte: Wenn er sprach, wägte er jedes Wort und jede Geste ab. Er erzählte mir fabelhafte Geschichten, genau wie es meine Großmutter tat: über Kämpfe zwischen dem Guten und dem Bösen, dem Licht und der Finsternis, dem weißen Magier und den Hexern. Das Gute trug am Ende immer den Sieg davon. Später habe ich mein ganzes Leben lang gefühlt, dass diese Märchen mir einen Impuls zum Guten, zum Licht gegeben haben und in mir den Wunsch erweckten, immer das Licht triumphieren zu lassen. Aïvanhov erkannte, dass die moralischen Lehren, die er in sich aufnahm, seinen Charakter mehr formten, als alles, was er später aus Büchern lernte. »Die Kindheit«, stellte er fest, »bestimmt das ganze Leben.« Aïvanhov lauschte den Erzählungen der Älteren und entdeckte dabei seine eigene Begabung fürs Geschichten erzählen. Er machte sich bei einigen seiner Schullehrer dadurch beliebt, dass er es verstand, sein spärliches Wissen auszuschmücken und es so glaubhafter zu machen. In seinem späteren Leben hielt er nur wenige Vorträge, in die er keine lehrreiche Anekdote oder Geschichte einbaute. Er bewunderte Märchenschreiber und erwähnte dabei Grimm, Andersen und Perrault. »Die meiste Zeit verbringe ich am liebsten in der Märchenwelt,« gab er zu, »da bin ich glücklich und in Hochstimmung.« Er riet auch seinen Schülern, Märchen zu lesen, weil man durch diese Geschichten mit den feinen, unsichtbaren Bereichen des Seins in Berührung kommt. Aïvanhov war fest davon überzeugt, dass diese Bereiche nicht weniger real sind als die Welt der Alltagserfahrung; im Zweifelsfall sind sie realer, denn sie sind älter als die physische Wirklichkeit. Aïvanhov suchte in allem immer die Schönheit, die Poesie. Das war schon so in seiner Jugend. Deshalb waren Disharmonie, Streit und Aggression für ihn sehr schmerzlich. Aber er blieb davon in seiner Kindheitsumgebung nicht verschont. Sein Land kam über viele Jahrhunderte hinweg nicht zur Ruhe. Nachdem 1907 Griechen ihr Dorf geplündert hatten, zog die Familie Aïvanhov in die Stadt Varna. Varna, das am Schwarzen Meer im äußersten Osten Bulgariens liegt, ist heute eine Stadt von 300.000 Einwohnern, aber damals war sie beträchtlich kleiner. Immerhin war sie die zweitgrößte Stadt hinter Sofia, der Hauptstadt. In Varna durchlief Aïvanhov den Großteil seiner schulischen Ausbildung. Dort starb auch sein Vater. In Vorahnung dessen hatte sein Vater seiner Mutter aufgetragen, einen guten Freund der Familie zu heiraten, falls ihm etwas zustoßen sollte. Bald nach seinem Tod heiratete seine Mutter tatsächlich wieder, um besser für ihre beiden Söhne, Mikhaël und den jüngeren Bruder Alexander sorgen zu können. Im Laufe der nächsten Jahre vergrößerte sich die Familie noch um zwei Mädchen und einen dritten Jungen. Wie die meisten intelligenten Kinder, fand Aïvanhov den schulischen Rahmen ziemlich eng. Er nutzte diese Jahre, um sein inneres Leben reich zu entwickeln. Im Alter von elf Jahren erlebte er eine zweite Welle spirituellen Interesses, die in ihm den brennenden Wunsch weckte, sich wieder mit dem Göttlichen zu verbinden. Damals führte er mutig eine Gruppe von Freunden zum türkischen Gesandtschaftsgebäude in Varna, um die bulgarische Flagge anstelle der fremden Flagge zu setzen. Bulgarien war mehr als fünf Jahrhunderte lang eine türkische Provinz gewesen, bis sie schließlich 1878 die Autonomie erhielt, obwohl immer noch unter türkischer Oberhoheit. Die Bulgaren waren verständlicherweise verbittert über die fortgesetzte türkische Einmischung in ihr politisches Leben. Die jungen Revolutionäre wurden von der Polizei ertappt. Während seine Freunde flohen, blieb Aïvanhov tapfer bei seiner Flagge stehen. Die Polizisten nahmen ihn mit zur Polizeiwache, aber da sie selbst gebürtige Bulgaren waren, wurde er nicht angeklagt, ja nicht einmal gerügt. Sie waren stolz auf seinen, wie sie meinten, glühenden Patriotismus. Aïvanhov hatte jedoch aus einem anderen Motiv heraus gehandelt. Er wollte gegen die Ungerechtigkeit der türkischen Präsenz in seiner Heimat protestieren. Veranlasst zu diesem Akt jugendlicher Herausforderung wurde er, als er über mächtige Geister nachsann, die seiner Meinung nach ihr Zuhause in den Bergen hatten, von wo aus sie die Geschicke der Menschheit lenkten. Er dachte vielleicht, er habe den heroischen Auftrag, ihre Mission, nämlich das Gute auf der Erde zu bewahren, weiterzutragen. Aïvanhov lernte eifrig. Er verschlang alle Bücher, derer er habhaft werden konnte. Im Alter von dreizehn oder vierzehn Jahren fing er auch an, die Schulferien für erste Einblicke in verschiedene Berufe zu nutzen. Er arbeitete in einer Süßwarenfabrik, wo er schnell lernte, dass man mit Maßhalten in allen Bereichen gut vorankommt. Die Arbeit in einer Fabrik für Pastellfarben gab ihm Gelegenheit, seinen ausgeprägten Sinn für Farben zu entwickeln, der durch seine inneren Visionserfahrungen verfeinert wurde. Er kommentierte dies so: Als ich etwa 16 Jahre alt war, beschäftigte ich mich sehr mit den Farben; ich stellte sie mir vor, meditierte darüber und bestrich die Fenster meines Zimmers damit. Ich malte die Scheiben zuerst rot, dann orange an usw. Und in diesem von farbigem Licht durchfluteten Zimmer meditierte ich und beobachtete einige Tage hindurch, wie die Farbe auf mich wirkte, wusch dann die Scheiben wieder ab und trug eine andere Farbe auf. Ihr könnt euch ja denken, wofür meine Eltern und die Nachbarn mich hielten! Sie dachten, ich sei verrückt geworden! Ich aber fuhr mit dem Studium der Farben unbeirrt fort – und entdeckte damals, dass ich durch das Violett mühelos in jenseitige Welten entschwebte. Ich lud auch Freunde ein, um nachzuprüfen, welche Wirkung diese Farbe auf sie ausübte – sie nickten alle ein! Aïvanhov arbeitete auch in einer Schneiderei, aber er schlief vor lauter Langeweile immer wieder ein, sodass er schließlich zu dem Schluss kam, dass diese Arbeit nichts für ihn sei. Viel später jedoch bemerkte er auf humorvolle Weise, dass er aus dieser Tätigkeit eine wertvolle Lehre gezogen hatte. Wörtlich sagte er: Aber einen ganzen Tag mit Nähen verbracht zu haben, hinterlässt doch Spuren. Mein Leben lang habe ich weiter genäht, so ganz unauffällig auf meine Art. Doch habe ich es nicht so weit gebracht, dass ich einen Laden hätte eröffnen können, um Geld damit zu verdienen. Aber ich mache weiterhin meine Kleider selber. Ihr staunt? Ich wähle in mir bekannten Geschäften die besten Stoffe aus und fertige mir die wunderbarsten Jacken und Mäntel an... Äußere Kleider kaufe oder lasse ich anfertigen, aber was die anderen, die inneren Kleider anbelangt, habe ich bemerkt, dass ich allein fähig bin, sie auszusuchen und nach meinem Geschmack anzufertigen. So bin ich mein eigener Schneider. Der junge Mikhaël versuchte sich auch in der Kunst des Schmiedens und arbeitete mehrere Wochen in der Dorfschmiede. Er stand am Blasebalg, wobei er dem Schmied aufmerksam bei seiner Arbeit zusah. »Der Anblick dieser Funken,« sagte er, »ist mir immer in Erinnerung geblieben, das war wunderschön.« Die Funken flogen auch auf seine Füße, und da er nur Sandalen trug, kam er oft mit Blasen nach Hause. Er bekam sogar ein paar Pfennige für seine Schmerzen. Aber die Freude am Erlebnis war für ihn wichtiger als das Geld. Dies waren Jahre intensiven inneren Experimentierens. Er entdeckte sogar, dass er beträchtliche psychische Fähigkeiten besaß, und wie jeder begeisterte Neuling, hatte er große Freude daran, sie anzuwenden und auszuprobieren. Der junge Mikhaël bezog auch andere Leute in seine Experimente mit ein. Sie waren eher harmlos und weit entfernt von den allerhöchsten geistigen Idealen, die er erst noch entdecken musste. In einem seiner Vorträge erinnerte sich Aïvanhov daran, dass er allein durch einen Akt der Konzentration einen nichts ahnenden Freund gehunfähig gemacht hatte. Selbstverständlich stellte er die volle Beweglichkeit der Beine seines Freundes sofort wieder her. Mikhaël konnte der Versuchung nicht widerstehen, seine psychischen Kräfte seinesgleichen gegenüber zur Schau zu stellen, »nur zum Spaß«. So stiegen er und eine Gruppe von Freunden eines Tages auf den Mussala, einen 2925 m hohen Gipfel im Rila-Gebirge. Das Tal und die anderen Gipfel lagen in undurchdringlichem Nebel. Er fragte, welchen See oder Gipfel sie gerne sehen würden und bot an, den Nebel ringsum zum Verschwinden zu bringen. Die Jungen nannten einen der fünf Seen unten im Tal. Mikhaël streckte seine Hand aus, und erstaunt und aufgeregt sahen alle, wie sich der Nebel über dem See lüftete, sodass das Wasser klar zu erkennen war. Dann senkte er seine Hand, und der Nebel legte sich wieder über den See. Aïvanhov erzählte 1967 von dieser Begebenheit und versicherte seinen Zuhörern feierlich deren Wahrheit. »Ich weiss, die unsichtbare Welt hört mir zu – ich darf euch nichts vortäuschen.« Offensichtlich hatte der junge Mikhaël – fünfzig Jahre früher – sein magisches Talent noch nicht mit seinem ansonsten bemerkenswerten moralischen Feingefühl in Einklang gebracht. Der Wendepunkt Aïvanhovs Manipulation anderer Menschen mittels Gedankenkraft hatte zwangsläufig psychische und geistige Auswirkungen. Eines Tages, während er sich in einem halbbewussten Zustand befand, hatte er die Vision von zwei Wesen. Diese wichtige psychische Erfahrung beschreibt er selbst: ...das eine war von überwältigendem Wuchs; Kraft und Macht strömten aus ihm heraus; aber sein Gesicht war hart, sein Blick finster und erschreckend. Das andere stand strahlend daneben: es war ein sehr schönes Wesen; an seinem Gesicht konnte ich die Grenzenlosigkeit der göttlichen Liebe ablesen... Es war mir, als sollte ich mich für das eine oder das andere entscheiden. Ich war von der Kraft des ersten tief beeindruckt; jedoch das Fürchterliche, das ich in ihm spürte, erschreckte mich zutiefst in meinem Herzen und in meiner Seele. So wandte ich mich dem anderen zu und wählte das Wesen mit dem Antlitz Christi, dem Spiegelbild der Sanftmut, der Gutmütigkeit, der Aufopferung. Diese archetypische Vision kam zur rechten Zeit und zeigte Wirkung auf Aïvanhov. Er begann sein angeborenes moralisches Gespür ernsthaft zur Geltung zu bringen, wenn er sich auf psychisches Neuland begab. Er gab zu, dass er sich ohne Einwirken der Vorsehung ebenso gut auch für den Weg der schwarzen Magie hätte entscheiden können. Aïvanhov nahm die Warnung ernst, die seine Vision enthielt. Er handelte in all seinem Tun verantwortlich und war immer darauf bedacht, das Gute in sich selbst zu fördern. Er hatte einen hochentwickelten Sinn für Moral, und es war nur eine Frage der Zeit, bis er seine anfänglichen Machtgelüste abschüttelte. Wie hochentwickelt sein Moralempfinden in anderen Situationen war, kann man einer Geschichte entnehmen, die er aus seiner Zeit an der Oberschule in Varna während des ersten Weltkrieges erzählte. Er erinnerte sich, dass die meisten Lehrer an die Front eingezogen worden waren, und die Schule Hilfslehrer einsetzen musste. Einer der Männer, ein Mathematiker, musste ständig den Spott und Ungehorsam der Schüler über sich ergehen lassen. Da Aïvanhov großes Mitleid mit dem Lehrer empfand, stellte er sich eines Tages gegen seine Klassenkameraden, verteidigte den Lehrer und forderte jeden dazu auf, diesem Respekt entgegenzubringen. Seine Klassenkameraden hielten sich zumindest einige Tage lang zurück. Etwa im Alter von sechzehn Jahren war durch seine ständige, intensive Beschäftigung mit der unsichtbaren Wirklichkeit aus dem spirituellen Funken seiner frühen Kindheit ein loderndes Feuer geworden. Er erklärte: Ich fühlte... ein Feuer in mir brennen und weinte vor Entzücken, war in Ekstase. Da ich aber in den Büchern nichts darüber gelesen hatte, verstand ich nicht, was es war. Nach einer Reihe beharrlicher Übungen und geistiger Arbeiten war das Feuer entfacht und loderte in mir. Diese Erfahrung wurde einerseits durch Aïvanhovs intensive meditative Übungen beschleunigt, andererseits, etwas später, durch hinduistische Atemübungen, die er einer Übersetzung von Ramacharakas bekanntem Buch über Yoga entnommen hatte. Ramacharaka war das Pseudonym von William Walker Atkinson, einem amerikanischen Rechtsanwalt, Verleger und Schriftsteller. Er wurde 1862 geboren und schrieb ab 1903 Bücher über Hatha-Yoga. Der Inhalt dieser Bücher stammte durchweg aus anderen Quellen, aber sogar heute noch wird »Swami«Ramacharaka als Hindu-Autorität auf dem Gebiet des Yoga in Indien zitiert. Ramacharakas Schrifttum machte unbestritten für viele Bewohner der westlichen Welt die Yoga-Tradition zugänglich, mit ihrer Philosophie und in ihrer praktischen Anwendung. Jedoch trotz Ramacharakas Anspruch waren seine Bücher kaum verlässliche Anleitungen, besonders nicht für jemanden vom Format und der Vitalität eines Aïvanhov, der die Übungen mit außerordentlicher Zielstrebigkeit übernahm. Aïvanhov kommentierte diesen Abschnitt seines Lebens folgendermaßen: ...ich hatte mich Hals über Kopf in verschiedene Atem- und Konzentrationsübungen aus dem Yoga gestürzt, und man kann sagen, dass ich dadurch meine fünf Sinne nicht mehr ganz beisammen hatte. Die Tage und Nächte waren angefüllt mit Studien, Fasten, Meditationen, Konzentrations- und Atemübungen, und darüber war ich mager geworden, bleich und sehr geschwächt. Meine Mutter war der Verzweiflung nahe, weil ihr Sohn nur ans Meditieren dachte, nicht mehr fortging, weil es mit ihm abwärts ging, und alle sich über ihn lustig machten. Sie wollte sogar meine Bücher verbrennen, da sie meinte, diese seien die Ursache des ganzen Übels. Sie flehte mich an, ein wenig in den Park zu gehen, aber ich war zu vernarrt in meine Übungen! Da Mikhaël noch nichts wusste von der überlieferten Maxime des Sanskrit, dass Yoga mit Ausgewogenheit gleichzusetzen ist, verfiel er der für Anfänger charakteristischen Begeisterung, und seine übertriebenen Übungen machten ihn ernsthaft krank. Ich befand mich in einer Art Delirium und war schon halb hinüber... Und das Tollste dabei war, dass ich in meinem Wahn nur nach einem verlangte: Bücher, Bücher, Bücher, und zwar nur die besten. Ich hatte gar nicht einmal den Wunsch, zu leben oder gesund zu werden, nein, ich wollte mich nur durch alle Bibliotheken der Erde hindurchlesen. Ich verlangte nach allen Büchern, die von Philosophie, Religion und Wissenschaft handelten, und meine armen Eltern mussten, um mich zufrieden zu stellen, mengenweise Bücher heranschaffen, die sie neben meinem Kopfkissen aufstapelten, damit ich sie sehen und anfassen konnte. Und diese Bücher haben mich gerettet! Ja, aber als ich dann wieder gesund war, war es mit diesem Bücherwahn vorbei. Obwohl Aïvanhovs »Verrücktheit« nach Büchern mit seiner Genesung ebenfalls überwunden war, spielten Bücher dennoch eine wichtige Rolle in seinem Leben, bis es ihm gelang, das große Buch der Natur selbst zu lesen. Wie er selbst sagte, war er in seinen frühen Jahren ein ewig Lernender. Lernen hatte für ihn jedoch eine besondere Bedeutung. Die Information, die er suchte, bestand nicht nur aus theoretischem, sondern aus praktischem Wissen, aus der Gnosis, die ihm dabei helfen sollte, sich selbst und das Leben zu verstehen und das große Geheimnis hinter dem äußeren Schein zu enthüllen. »Wirkliches Verstehen schließt jede Zelle unseres Körpers mit ein,« stellte Aïvanhov einmal sinngemäß fest. In seinen Gesprächen mit Schülern und Studenten betonte er oft, dass er alles, was er an sie weitergab, persönlich überprüft hatte. Er pflegte oft zu sagen: Verlasst euch nicht auf das, was ihr hört oder lest, denn dies ist völlig wirkungslos, solange kein Feuer in euch entfacht ist, das euch innerlich vibrieren und erbeben lässt, solange dieses Feuer nicht vorhanden ist, um euch in ein der Sonne gleiches, lebendiges Wesen zu verwandeln. Aïvanhovs Streben, das ganz auf den spirituellen Weg ausgerichtet war, wurde früh in seinem Leben belohnt. Besonders seine ausgedehnten Atemübungen bereiteten den Weg für einen spirituellen Durchbruch im Alter von siebzehn Jahren. Es war noch vor seiner Krankheit. Er las gerade ein inspirierendes Buch in einem ruhigen Obstgarten außerhalb der Stadt, als er das Gefühl hatte, dass Feuer in seine Lungen drang und von dort aus seinen ganzen Körper, sein ganzes Wesen durchströmte. In einem Vortrag, den er 1968 hielt, schilderte er diese mystische Erfahrung folgendermaßen: Ich begriff nicht, was vorging. Aber von da an ereigneten sich seltsame, unglaubliche Dinge. Damals geschah es, dass ich die Sphärenmusik vernahm... Erst viel später wurde mir klar, dass jenes Feuer ein Lichtfunke des Äthers, ein Hauch des Pranas, des kosmischen Geistes war. In einem weiteren Vortrag, den er 1970 hielt, ging er noch näher darauf ein: Ich wurde aus meinem Körper herausgehoben und bekam die Sphärenmusik zu hören. Niemals sonst habe ich derartige Empfindungen erlebt, von einer solchen Fülle, einer solchen Intensität. Es gibt nichts Vergleichbares. Das war so unbeschreiblich, beinahe unerträglich, so überwältigend war dieses Gefühl von Erweiterung, von Ausdehnung im Raum. So schön, so göttlich, dass ich es mit der Angst zu tun bekam. Ja, ich bekam Angst vor dieser Pracht; denn ich fühlte, dass mein ganzes Sein derart weit wurde, dass ich Gefahr lief, mich aufzulösen und im unendlichen Raum aufzugehen. Da habe ich den Zustand dieser Ekstase abgebrochen und bin zur Erde zurückgekehrt. Jetzt bedauere ich das. Doch habe ich immerhin einige Augenblicke lang erlebt, gesehen und gehört, wie das gesamte Universum schwingt... Die Sphärenharmonie, die ich gehört habe, war für mich die Krönung all meiner Forschungen, all meiner Arbeit und all meiner außerkörperlichen Erfahrungen. Und seither gilt für mich dies als ein Maßstab, ein Muster, ein Modell, als Anhaltspunkt zum rechten Verstehen und Einordnen aller Dinge. Für kurze Zeit erfuhr Mikhaël die unvergleichliche Schönheit des höheren Reiches. Er war eingetaucht in einen Ozean des Lichts. 1975 sagte er in einem Vortrag: Es war ein unbeschreibliches Erlebnis. Ich dachte, ich würde in Stücke zermahlt, aufgelöst im Raum... es war wunderbar, und es war schrecklich zugleich. Ich bekam Angst! Ich tat alles, um wieder in meinen Körper zurückzukommen. Worte können dieses Gefühl nicht beschreiben, das nur wenigen Menschen, ja selbst wenigen Eingeweihten zuteil wird. Ich betrachte es als großes Privileg... In einem weiteren Vortrag beschreibt Aïvanhov sein geistiges Erwachen als Erfahrung mit der ›Kundalini‹-Kraft. Er sagte: Es war ein schreckliches Gefühl, so als würde mein Gehirn verbrennen, und ich hatte große Angst. Dann setzte ich meine ganzen Kräfte ein, sie wieder einzuschläfern! Ja, es war eine riesige Anstrengung, aber ich habe es geschafft. (...) Dieses Erlebnis in meiner Jugend hätte für mich das größte Unglück sein können, wenn es mir nicht gelungen wäre, diese Kraft wieder zum Ruhen zu bringen. Zum Glück wachte der Himmel über mich! Der Begriff ›Kundalini‹ stammt aus dem Sanskrit, der heiligen Sprache der Hindus. Wörtlich bedeutet er »die aufgerollt ist« und bezieht sich auf die psycho-spirituelle Energie, die beim normalen Menschen »aufgerollt« im untersten psycho-energetischen Zentrum an der Basis der Wirbelsäule ruht. Wenn diese schlummernde Kraft geweckt wird, sei es absichtlich oder zufällig, schießt sie entlang des Rückgrates nach oben zum Kopf. Im Idealfall belebt die geweckte Kundalini-Kraft das oberste psycho-energetische Zentrum (Chakra bzw. ›cakra‹) am Scheitelpunkt des Kopfes, was einen ekstatischen Zustand hervorruft. Bei denen jedoch, die nicht darauf vorbereitet sind, hat die Kundalini-Kraft eine verheerende Wirkung auf Körper und Geist. Das bestbekannte Beispiel einer spontanen Kundalini-Erfahrung, die gewaltige physiologische und psychische Probleme verursachte, ist das von Gopi Krishna. Krishna brauchte Jahre, bis er die negativen Auswirkungen der Kundalini-Kraft überwunden hatte. Aïvanhov hatte Glück, dass er den physischen Schmerz und das psychische Trauma einer aus der Kontrolle geratenen Kundalini-Kraft vermeiden konnte. Seine Schilderung dieser Erfahrung ist jedoch zu oberflächlich, um sicher sagen zu können, ob er ein volles Erwachen der Kundalini-Kraft erlebt hatte oder nicht. Seine verschiedenen Beschreibungen deuten jedenfalls an, dass er schon in jungen Jahren eine seltene mystische Erfahrung machen durfte. Sie zeigen auch das für Aïvanhov charakteristische tiefe Empfinden und seine Dankbarkeit. Was für jede Erfahrung gilt, gilt auch für mystische Erlebnisse: Man muss sie in sein Wesen und den übrigen Lebensablauf integrieren. Sonst sind sie wenig mehr als faszinierende Bruchstücke unserer Lebenserfahrung. Um sie zu integrieren, müssen wir über sie nachdenken und ihnen gestatten, dass sie unser Leben in jeder Hinsicht durchdringen. Anders ausgedrückt: Selbst die außergewöhnlichsten und höchsten Bewusstseinszustände müssen wir verankern, und mit Hilfe des Gefühls kann uns dies gelingen. »Das Gefühl ist jener Hebel, der fähig ist, auf die Materie einzuwirken«, wie Aïvanhov erklärte. Es ist ein zuverlässiges Mittel für persönliche Veränderung, was die moderne Psychotherapie für unsere Zeit wiederentdeckt hat. Aïvanhovs Erfahrung dessen, was er die ›Harmonie der Sphären‹ nannte, war in der Ausdrucksweise der Hindus eine sehr hohe Form von ›savikalpa-samadhi‹ oder »Ekstase verbunden mit Ideation«. Während der kurzen Spanne dieser Erfahrung, war Aïvanhov gewissermaßen selbst der Kosmos, in den er sich so intensiv versenkt hatte. Aber das Ich-Bewusstsein, das in der menschlichen Psyche tief verwurzelt ist, ließ diesen Prozess geistiger Einswerdung mit dem Universum nicht zur vollen Entfaltung kommen. Der junge Mikhaël schreckte angesichts seiner drohenden Auflösung als Individuum davor zurück. Und sogleich wurde er in die Begrenztheit seines normalen körpergebundenen Geistes zurückversetzt, jedoch enorm bereichert durch das, was ihm offenbart worden war. Diese Erfahrung veränderte ihn durch und durch. Er sollte nie wieder der sein, der er vorher war. Er hatte endgültig den Weg hin zu spiritueller Erleuchtung beschritten, und er war nun bereit für den nächsten wichtigen Schritt, das Auftauchen seines äußeren Lehrers.

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Über den Autor Kurzbeschreibung Inhaltsverzeichnis Danksagung Vorwort Einleitung Kapitel 1: Die frühen Jahre Kapitel 2: Spirituelle Lehrjahre Kapitel 3: Seher, Lehrer und Heiler Kapitel 4: Die Philosophie und das Geheimnis des Menschseins Kapitel 5: Das magische Universum Kapitel 6: Der Schlüssel zum Buch der Natur Kapitel 7: Das Geheimnis der Sonne Kapitel 8: Die spirituelle Arbeit Kapitel 9: Die Schule des Lichts Kapitel 10: Die Bändigung des sexuellen Drachens Kapitel 11: Die tiefere Bedeutung des Christentums Kapitel 12: Aïvanhovs Lehre und die Erneuerung der Welt Wichtige Daten im Leben von Omraam Mikhaël Aïvanhov Auswahlbibliographie Vom selben Autor – Reihe Gesamtwerke Vom selben Autor – Reihe Izvor Vom selben Autor – Reihe Broschüren Copyright

Preface

Vorwort von Larrey Dossey, M.D. Autor von »Recovering the Soul«, »Space,Time, and Medicine«, »Meaning and Medicine«, und »Beyond Illness«. Es gibt in unserem Leben seltene Augenblicke, da uns die Entdeckung eines bestimmten Buches, einer Lehre oder einer weisen Erkenntnis einfach überwältigt und uns der Atem still steht vor Ehrfurcht, Dankbarkeit und Freude. Wir erkennen sofort, dass wir auf einen wertvollen Schatz gestoßen sind. Während wir noch vor ihm stehen und uns seinem Glanz hingeben, spüren wir bereits unmittelbar, dass er uns schon verändert hat. So erging es mir, als ich dem Werk des bemerkenswerten geistigen Lehrers Omraam Mikhaël Aïvanhov aus Bulgarien begegnete. Die Geschichtsseiten sind übersät mit weisen geistigen Lehrern. Ungeachtet der Wahrheiten, die sie zum Ausdruck brachten, haben viele von ihnen keine großen Veränderungen bei den Menschen oder in der Welt im Allgemeinen bewirkt. Worauf ist die verändernde Kraft einiger weniger von ihnen zurückzuführen? Ob eine bedeutende geistige Lehre uns tatsächlich anspricht oder nicht, hängt natürlich davon ab, wie weit wir uns ihr öffnen, aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Es genügt nicht, dass die Lehre wahr ist. Sie muss außerdem nicht nur mit den weisen Erkenntnissen früherer Zeiten übereinstimmen, sondern auch mit den wichtigsten Erkenntnissen unserer Zeit. Bedeutsamkeit, Unmittelbarkeit und Dringlichkeit müssen von ihr ausgehen. Vor allem muss die Lehre irgendwie in die Zeit hineinpassen, und sie muss sich richtig ›anfühlen‹. Wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, kann ein Wunder geschehen: Wir und die Welt um uns herum können eine Wandlung erfahren. Aïvanhovs Lehre steht nicht nur im Einklang mit den bedeutendsten überlieferten Erkenntnissen der Menschheit, sondern sie steht an vorderster Linie in der Weiterentwicklung unseres Wissens um diese Welt. Das bedeutet, dass sich diejenigen, denen eine verstaubte und verkrustete, archaische und geheimnisumwobene Lehre lieber ist, anderswo umsehen müssen. Aïvanhov tritt nicht für die Flucht in eine sentimentale Vergangenheit ein. Vielmehr benutzt er in hohem Maße die Vernunft und ergänzt sie durch seine bemerkenswerte visionäre Kraft. Dabei zeichnet er ein atemberaubendes Bild vom Wandel des Menschen, modern und auf dem neuesten Stand der Entwicklung. Was an Aïvanhovs Lehre unter anderem so überaus stark beeindruckt, ist die Einfachheit und Klarheit, die unablässig aus diesem Werk strahlt. Seine schlichten, klar strukturierten Worte bilden einen erfrischenden Kontrast zu den hoffnungslos verschwommenen und nebulösen Abhandlungen, die heutzutage als »geistige« Lehren gelten. Es ist eine wahre Freude, wieder zu entdecken, dass authentische Weisheit keinesfalls undurchsichtig und undurchdringlich sein muss. Obwohl Aïvanhovs Lehre mit dem Besten, das uns aus alter Zeit überliefert ist, im Einklang steht, ist sie doch in vieler Hinsicht frisch und neu. Aïvanhov war sich offensichtlich der tiefgreifenden Erkenntnisse moderner Wissenschaft bewusst. Er respektierte dieses Fenster zur Welt, und durch seine bemerkenswerte Urteilskraft und seinen Verstand stieß er es sogar noch weiter auf. Anders als viele geistige Lehrer, sparte Aïvanhov nie das moderne Bild des Universums aus; er schritt vielmehr geradewegs hindurch und erweiterte es. Dies ist einer der Gründe dafür, dass seine Lehre so gut in unsere Zeit passt. Wahrscheinlich gibt es heutzutage mehr sogenannte geistige Lehrer als jemals zuvor. Der Westen wird von ihnen überflutet, und es ist oftmals schwierig, den Weisen vom Scharlatan zu unterscheiden. Für Menschen auf dem spirituellen Weg kann es schon eine beängstigende Aufgabe sein, unter den gegenwärtigen Supermarktangeboten einen authentischen Lehrer zu finden. Deshalb ist es für mich eine besondere Ehre, dass ich die Lehre würdigen darf, die in diesem Buch dargelegt wird. Nur wenige andere Lehren nehmen mit ihr einen vergleichbar hohen Rang ein. Wie kein anderer ist Georg Feuerstein dafür geeignet, uns das Schrifttum Omraam Mikhaël Aïvanhovs nahe zu bringen. Dr. Feuerstein ist ein Wissenschaftler von Weltruf auf dem Gebiet geistiger Lehren und vergleichender Religionswissenschaft; seine Bücher sind seit Jahren für mich ein großer Gewinn. Sein Schrifttum – und sein Leben – verkörpern die gleiche Tiefe, Integrität und Würde wie das von ihm hier behandelte Thema. Dieses Buch ist ein hinreißendes, lyrisches Lied zwischen Feuerstein und Aïvanhov – wobei Aïvanhov die Melodie singt und Feuerstein die Partitur durch seine geschickte, unaufdringliche Interpretation abrundet. In Vorlesungen und Seminaren werde ich oft gefragt: »Wer ist heute ein glaubwürdiger, authentischer, geistiger Lehrer?« Jetzt kann ich ohne Zögern antworten: »Lernen Sie Omraam Mikhaël Aïvanhov kennen, und sehen Sie, was sich ereignet.« Larry Dossey, M.D. New Mexico

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