The Was du getan hast: Thriller

The Was du getan hast: Thriller

by Liv Constantine, Olaf Knechten

NOOK Book(eBook)

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Overview

Wem kannst du trauen - wenn nicht deiner besten Freundin von früher? Kate bekommt den schrecklichsten Anruf ihres Lebens. Sie erfährt ausgerechnet von ihrem Vater, dass ihre Mutter umgebracht wurde. Kate ist verzweifelt. In dieser schweren Stunde ruft sie ihre ehemals beste Freundin Blaire an. Blaire lebt mittlerweile als erfolgreiche Krimiautorin in New York. Sie kommt zurück und steht Kate bei, denn jemand hat es auf Kate abgesehen. Sie wird bedroht. Als erst ihr Vater in den Fokus der Ermittlungen rückt und dann plötzlich Kates Ehemann Simon verdächtigt wird, verliert sie jegliche Sicherheit. Wem kann sie noch trauen?

Product Details

ISBN-13: 9783959678476
Publisher: HarperCollins Publishers
Publication date: 09/16/2019
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 464
File size: 2 MB

About the Author

Liv Constantine ist das Pseudonym der beiden Schwestern Lynne und Valerie Constantine. Lynne Constantine lebt mit ihrem Mann, ihren Kindern und ihrem Hund in der Nähe von New York. Valerie Constantine verbringt einen Teil des Jahres in England und lebt den Rest des Jahres in Annapolis, Maryland.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Vor ein paar Tagen hatte Kate sich noch Gedanken darüber gemacht, was sie ihrer Mutter zu Weihnachten schenken sollte. Unmöglich hätte sie ahnen können, dass sie statt eines Geschenks einen Sarg für sie aussuchen würde. Nun saß Kate benommen schweigend da, während die Sargträger langsam auf die Tür der voll besetzten Kirche zuschritten. Eine plötzliche Bewegung veranlasste sie, sich umzudrehen, und da erblickte Kate sie. Blaire. Sie war gekommen. Sie war tatsächlich gekommen! Auf einmal hatte sie das Gefühl, ihre Mutter würde gar nicht in dieser Kiste liegen, wäre nicht einem brutalen Mord zum Opfer gefallen. Sie sah sie wieder vor sich, lachend, mit vom Wind verwehtem Haar, wie sie Blaire und Kate bei den Händen nahm und sie alle drei durch den heißen Sand ins Meer liefen.

»Alles in Ordnung?«, flüsterte Simon, Kates Ehemann, und berührte sie am Ellbogen.

Sie war so aufgewühlt, dass ihre Stimme versagte. Deshalb nickte sie nur und fragte sich, ob er Blaire auch gesehen hatte.

Nach dem Gottesdienst brauchte die lange Autoprozession eine Ewigkeit bis zum Friedhof. Als sich schließlich alle dort eingefunden hatten, war sie nicht überrascht zu sehen, dass die Schlange rund um das Gelände reichte. Zusammen mit ihrem Vater und Simon nahm sie Platz, während sich die restlichen Trauergäste um das Grab versammelten. Trotz des klaren Himmels wehten ein paar Schneeflocken durch die Luft, Vorboten des nahenden Winters. Durch ihre dunkle Sonnenbrille studierte Kate die Gesichter der Anwesenden, versuchte, jeden Einzelnen einzuschätzen, und fragte sich, ob sich der Mörder unter ihnen befand. Es waren einige Fremde da – jedenfalls kannte sie die Leute nicht – und alte Freunde, die sie seit Jahren nicht gesehen hatte. Sie ließ den Blick über die Menge schweifen, bis sie einen hochgewachsenen Mann entdeckte, neben dem eine zierliche weißhaarige Frau stand. Schmerz breitete sich in ihrer Brust aus, als würde eine unsichtbare Hand ihr Herz zerquetschen. Jakes Eltern. Sie hatte sie seit seiner Beerdigung nicht mehr gesehen, die bis zu dieser Woche das schlimmste Ereignis ihres Lebens gewesen war. Mit versteinerten Gesichtern starrten sie vor sich hin. Kate ballte die Fäuste, wollte den Schmerz und die Schuldgefühle nicht wieder zulassen. Doch sie wünschte sich so sehr, mit Jake reden zu können, an seiner Schulter zu weinen, während er sie festhielt.

Die Grabrede des Geistlichen war erbarmungsvoll kurz. Harrison, Kates Vater, stand bewegungslos da und starrte auf den Sarg, der in die Erde hinuntergelassen wurde. Kate verschränkte ihre Hand mit seiner, und er blieb noch eine Weile mit undurchdringlicher Miene stehen. Mit einem Mal sah er viel älter aus als achtundsechzig, selbst die Furchen um seinen Mund wirkten tiefer als zuvor. Die Trauer überwältigte Kate, und sie musste sich an einem der Klappstühle abstützen.

Lilys Tod würde eine riesige Lücke in ihrer aller Leben hinterlassen. Sie war der Fixpunkt gewesen, um den sich die Familie drehte, hatte Harrisons Leben für ihn organisiert und sorgfältig ihre zahlreichen gesellschaftlichen Aktivitäten geplant. Eine elegante Frau, die der wohlhabenden Evans-Familie entstammte und der man von Kindheit an eingeprägt hatte, dass ihr glückliches Schicksal sie dazu verpflichtete, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Lily war im Vorstand mehrerer Wohltätigkeitsverbände gewesen und darüber hinaus Vorsitzende ihrer eigenen Stiftung, dem Evans-Michaels Family Trust, der Organisationen finanziell unterstützte, die sich für Opfer von häuslicher Gewalt und Kindesmissbrauch einsetzten. Kate hatte jahrelang miterlebt, wie ihre Mutter die Stiftung geleitet, unermüdlich Spenden gesammelt und sich sogar persönlich um die Opfer gekümmert hatte, und doch war sie immer für ihre Tochter da gewesen. Zugegeben, sie hatte Kindermädchen gehabt, aber Lily hatte sie immer selbst ins Bett gebracht, hatte nie eine Schulveranstaltung verpasst, hatte ihr die Tränen weggewischt und ihre Erfolge mit ihr gefeiert. In gewisser Weise war es auch etwas entmutigend gewesen, ihre Tochter zu sein, denn Lily erledigte alles mit einer ungeheuren Leichtigkeit und Eleganz. Doch es war die tief in ihrem Innern verwurzelte Zielstrebigkeit, die sie antrieb. Manchmal hatte Kate sich vorgestellt, wie ihre Mutter die aufrechte Körperhaltung und das perfekte Auftreten endlich einmal fallen ließ und sich entspannte, wenn sie die Tür ihres Schlafzimmers hinter sich schloss. Kate hatte sich geschworen, eine Mutter wie ihre eigene zu werden, sollte sie jemals Kinder bekommen.

Sie hakte sich bei ihrem Vater ein und zog ihn sanft aus dem Bestattungszelt, unter dessen Baldachin Treibhausrosen und – lilien die kalte Luft mit ihrem Übelkeit erregenden Geruch erfüllten. Simon ging auf ihrer anderen Seite, und zu dritt liefen sie zu der wartenden Limousine. Erleichtert glitt Kate in die abgeschottete Dunkelheit des Wagens und schaute aus dem Fenster. Der Atem stockte ihr, als sie einen Blick auf Blaire erhaschte, die mit verschränkten Händen allein dastand. Sie musste sich zusammenreißen, um nicht das Fenster herunterzulassen und nach ihr zu rufen. Sie hatten vor fünfzehn Jahren das letzte Mal miteinander gesprochen, doch jetzt, da sie Blaire sah, kam es ihr vor, als wären sie erst gestern zusammen gewesen.

Simons und Kates Haus in Worthington Valley war nur eine kurze Autofahrt vom Friedhof entfernt. Sie hatten nie erwogen, den Trauerempfang im Haus von Kates Eltern abzuhalten, in dem Lily ums Leben gekommen war. Ihr Vater war nicht mehr dort gewesen, seit er die Leiche seiner Frau entdeckt hatte.

Als sie ankamen, eilte Kate den anderen voraus zur Haustür. Sie wollte kurz nach ihrer Tochter sehen, bevor die Leute ins Haus strömten. Schnell lief sie die Treppe hinauf in den ersten Stock. Simon und sie hatten beschlossen, der Kleinen, die demnächst fünf wurde, das Trauma der Beerdigung zu ersparen.

Lily war vor Freude außer sich gewesen, als Kate ihr von der Schwangerschaft berichtet hatte. Sie hatte Annabelle vom Moment ihrer Geburt an vergöttert und ihr alle Aufmerksamkeit geschenkt, ohne die Einschränkungen, die Kate hatte hinnehmen müssen. Lachend hatte sie gesagt: »Ich darf sie verwöhnen. Du bist diejenige, die sie erziehen muss.« Kate fragte sich, ob Annabelle sich in einigen Jahren noch an ihre Großmutter erinnern würde. Der Gedanke brachte sie aus dem Gleichgewicht, und ihr Fuß rutschte von der obersten Stufe ab. Sie hielt sich am Geländer fest, stieg die letzte Stufe bis zum Treppenabsatz hinauf und ging zum Kinderzimmer.

Als sie hineinspähte, spielte Annabelle zufrieden mit ihrem Puppenhaus. Die tragischen Ereignisse der letzten Tage schienen zum Glück nicht zu ihr durchzudringen. Ihre Nanny Hilda schaute auf, als Kate den Raum betrat.

»Mommy.« Annabelle stand auf, rannte auf Kate zu und schlang die Arme um ihre Taille. »Ich habe dich vermisst.«

Kate umarmte ihre Tochter und schmiegte das Gesicht an ihren Hals. »Ich habe dich auch vermisst, Schatz.« Sie setzte sich auf den Schaukelstuhl und zog Annabelle auf ihren Schoß. »Ich möchte mich gern mit dir unterhalten, und anschließend gehen wir zusammen nach unten. Ich habe dir doch erzählt, dass Grammy in den Himmel gekommen ist ...«

Annabelle schaute sie ernst an. »Ja«, antwortete sie mit zitternder Oberlippe.

Kate fuhr mit den Fingern durch die Locken ihrer Tochter. »Unten sind eine Menge Leute. Sie sind alle gekommen, um uns zu sagen, wie lieb sie Grammy hatten. Ist das nicht nett von ihnen?«

Annabelle nickte und sah sie starr mit großen Augen an.

»Sie wollen uns damit zeigen, dass sie sie niemals vergessen werden. Und wir werden sie auch nicht vergessen, nicht wahr?«

»Ich will Grammy sehen. Ich will nicht, dass sie im Himmel ist.«

»Ach Liebling, du wirst sie wiedersehen, das verspreche ich dir. Eines Tages wirst du sie wiedersehen.« Sie drückte Annabelle an sich und versuchte, ihre eigenen Tränen zu unterdrücken. »Lass uns runtergehen, um die Leute zu begrüßen. Es ist sehr nett von ihnen, dass sie heute zu uns gekommen sind. Du kannst Granddaddy und unseren Freunden Hallo sagen und dann wieder hochgehen und spielen. Okay?« Kate stand auf und nahm Annabelles Hand. Mit einem Nicken bedeutete sie Hilda, ihnen zu folgen.

Unten bahnten sie sich ihren Weg durch die Menge der Kondolenzgäste. Nach einer Viertelstunde bat Kate Hilda, Annabelle wieder hoch ins Spielzimmer zu bringen. Dann lief sie allein von Gast zu Gast, um jeden zu begrüßen, doch vor Trauer und Schmerz zitterten ihr die Hände, und sie atmete keuchend, als würde die Menge alle Luft verbrauchen. Die Leute drängten sich dicht an dicht im Wohnzimmer.

Auf der anderen Seite des Raums standen Selby Haywood und ihre Mutter Georgina Hathaway dicht mit Harrison zusammen. Wehmut überkam Kate, als sie sie betrachtete. So viele schöne Erinnerungen ... All die Sommertage am Strand seit ihrer Kindheit, als sie und Selby in der Brandung herumgeplanscht und Sandburgen gebaut hatten, während ihre Mütter zusahen. Georgina war eine von Lilys engsten Freundinnen gewesen. Beide waren immer so froh gewesen, dass ihre Töchter sich ebenfalls mochten. Kates Freundschaft zu Selby war jedoch anders als die zu Blaire. Ihre Mütter hatten Kate und Selby zusammengebracht, während sie und Blaire sich einfach gefunden hatten. Von Anfang an hatte zwischen ihnen eine besondere Verbindung bestanden, als würden sie einander in einer ganz besonderen Weise verstehen. Sie konnte Blaire das Innerste ihrer Seele offenbaren, was bei Selby nie möglich gewesen war.

Als sie eine Berührung am Ellbogen spürte, drehte sie sich um und blickte in das Gesicht der Frau, die während der prägenden Jahre ihrer Jugend wie eine Schwester für sie gewesen war. Sie ließ sich in Blaires Arme sinken und schluchzte.

»Oh, Kate, ich kann es immer noch nicht glauben.« Als Blaire sie an sich drückte, spürte Kate ihren warmen Atem am Ohr. »Ich hatte sie so lieb.«

Nach einer Weile löste sie sich von Blaire und umfasste ihre Hände. »Sie hatte dich auch lieb. Ich freue mich so, dass du gekommen bist.« Ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen. Es war geradezu surreal, Blaire hier in ihrem Haus zu sehen nach all den Jahren der Entfremdung. Dabei hatten sie einander früher so viel bedeutet.

Blaire hatte sich kaum verändert: Ihr langes dunkles Haar fiel in dicken Wellen herab, und ihre grünen Augen funkelten so wie früher. Nur die zarten Lachfalten, die sie umgaben, zeugten von den Jahren, die seither vergangen waren. Blaire war schon immer stylish gewesen, doch nun wirkte ihre Aufmachung so elegant und teuer, als gehörte sie zu einer anderen, viel glamouröseren Welt. Schließlich war sie jetzt eine berühmte Schriftstellerin. Eine Welle der Dankbarkeit durchströmte Kate. Sie wollte Blaire wissen lassen, wie viel es ihr bedeutete, dass sie gekommen war, dass sie den Teil von Kates Vergangenheit verkörperte, mit dem sie so viele angenehme Erinnerungen verband, und dass sie ihren Verlustschmerz besser verstand als alle ihre anderen Freunde. Sie fühlte sich nicht mehr ganz so allein.

»Ich bin so froh, dass du gekommen bist. Sollen wir in ein anderes Zimmer gehen, wo wir ungestört reden können?«, fragte Kate vorsichtig. Sie wusste nicht, wie Blaire reagieren würde und ob sie überhaupt über die Vergangenheit sprechen wollte. Doch jetzt, da sie ihr gegenüberstand, wünschte sich Kate nichts sehnlicher.

»Natürlich«, antwortete Blaire, ohne zu zögern.

Kate führte sie in die Bibliothek, wo sie es sich gemeinsam auf der großen Ledercouch bequem machten. Nach kurzem Schweigen sagte Kate: »Ich weiß, es ist dir nicht leichtgefallen herzukommen, aber ich musste dich anrufen. Danke, dass du es auf dich genommen hast.«

»Aber natürlich. Ich musste einfach kommen. Wegen Lily.« Blaire zögerte kurz, dann fügte sie hinzu: »Und deinetwegen.«

»Ist dein Mann auch hier?«

»Nein, er hatte keine Zeit. Er ist gerade auf Tour und stellt das neue Buch vor. Aber er versteht, dass ich herkommen musste.«

Kate schüttelte den Kopf. »Es ist so schön, dass du da bist. Mutter hätte sich auch gefreut. Sie fand es schrecklich, dass wir uns nicht wieder vertragen haben.« Sie zupfte an dem Papiertaschentuch in ihrer Hand. »Ich denke oft an unseren Streit zurück. Die furchtbaren Dinge, die wir gesagt haben.« Erinnerungen strömten auf sie ein und erfüllten sie mit Bedauern.

»Ich hätte deine Entscheidung, Simon zu heiraten, nie infrage stellen dürfen. Es war falsch von mir«, sagte Blaire.

»Wir waren so jung ... und so töricht, unsere Freundschaft daran zerbrechen zu lassen.«

»Du glaubst nicht, wie oft ich dich anrufen wollte, um mich mit dir auszusprechen. Aber ich hatte Angst, du würdest einfach auflegen.«

Kate betrachtete das Taschentuch in ihren Händen, das nun völlig zerfetzt war. »Ich habe auch überlegt, dich anzurufen, aber je länger ich gewartet habe, desto schwerer fiel es mir. Ich kann nicht glauben, dass erst meine Mutter ermordet werden musste, damit ich mich dazu durchringe. Aber sie wäre überglücklich, uns wieder zusammen zu sehen.« Lily war furchtbar traurig über ihren Streit gewesen. Sie hatte das Thema im Laufe der Jahre immer wieder angesprochen und versucht, Kate zu überreden, auf Blaire zuzugehen. Nun bedauerte Kate ihre eigene Dickköpfigkeit. Sie blickte hoch. »Ich kann nicht glauben, dass ich sie nie wiedersehen werde. Es war ein so brutaler Tod. Mir wird übel, wenn ich daran denke.«

Blaire lehnte sich zu ihr hinüber. »Es ist schrecklich«, sagte sie, und Kate vernahm einen fragenden Ton in ihrer Stimme.

»Ich weiß nicht, wie viel du mitbekommen hast – ich habe bewusst nicht in die Zeitungen geschaut«, sagte Kate. »Dad ist Freitagabend nach Hause gekommen und hat Mom gefunden.«

Ihre Stimme zitterte, und sie musste ein Schluchzen unterdrücken, bevor sie weitersprechen konnte.

Blaire schüttelte den Kopf und schwieg, während Kate fortfuhr: »Er hat sie im Wohnzimmer gefunden ... Sie lag auf dem Boden, ihr Kopf ... Jemand hatte ihr auf den Kopf geschlagen.« Kate schluckte.

»Geht die Polizei von einem Einbruch aus?«, fragte Blaire.

»Offenbar war ein Fenster zerschmettert, aber sonst gab es keine Anzeichen für ein gewaltsames Eindringen.«

»Hat die Polizei schon jemanden in Verdacht?«

»Nein. Sie haben keine Waffe gefunden, obwohl sie überall gesucht haben. Mit den Nachbarn haben sie auch gesprochen, aber niemand hat etwas Ungewöhnliches gehört oder gesehen. Du weißt ja, wie abgeschieden ihr Haus liegt. Der nächste Nachbar wohnt einen halben Kilometer entfernt. Der Gerichtsmediziner hat gesagt, sie ist irgendwann zwischen siebzehn und zwanzig Uhr gestorben.« Sie wrang ihre Hände. »Ich ertrage den Gedanken nicht, dass ich, während meine Mutter ermordet wurde, hier war und meinem normalen Alltag nachgegangen bin.«

»Aber du konntest es doch nicht ahnen.«

Kate nickte. Natürlich hatte Blaire recht, das änderte aber nichts an ihren Gefühlen. Während sie sich vielleicht gerade eine Tasse Tee gekocht oder ihrer Tochter eine Gutenachtgeschichte vorgelesen hatte, hatte jemand ihre Mutter brutal ermordet.

Blaire runzelte die Stirn und legte ihre Hand auf Kates. »Sie würde nicht wollen, dass du so denkst. Das weißt du doch, nicht wahr?«

»Du hast mir gefehlt«, schluchzte Kate.

»Jetzt bin ich ja da.«

»Danke«, sagte Kate schniefend. Sie umarmten sich wieder, und Kate klammerte sich an Blaire wie an einen Rettungsring, der sie davor bewahrte, in ihrer tiefen, fürchterlichen Trauer zu versinken.

Als sie das Zimmer verließen, blieb Blaire stehen und schaute Kate fragend an. »Waren das Jakes Eltern vorhin in der Kirche?«

Kate nickte. »Ich war auch überrascht, sie zu sehen. Aber ich glaube, sie sind nicht mit hierhergekommen. Vermutlich wollten sie Mutter nur die letzte Ehre erweisen und sind dann gegangen.« Sie spürte einen Kloß in ihrer Kehle. »Ich kann verstehen, dass sie nicht mit mir reden wollten.«

Blaire schien etwas entgegnen zu wollen, doch dann sah sie Kate nur traurig an und drückte sie noch einmal an sich.

»Ich sollte mich besser wieder um meine Gäste kümmern«, sagte Kate.

Den Rest des Tages war sie wie benommen. Als sich alle verabschiedet hatten, verkroch sich Simon in seinem Büro, um sich mit einer Krise bei der Arbeit auseinanderzusetzen, während Kate rastlos von einem Zimmer zum andern wanderte. Sie hatte es kaum abwarten können, dass die Gäste endlich gingen und der Tag, an dem sie ihre Mutter unter die Erde gebracht hatte, vorbei war. Doch nun erfüllte unheimliche Stille das Haus, und wohin ihr Blick auch fiel, sah sie Beileidskarten und Blumenbouquets.

Schließlich pflanzte sie sich auf den Liegesessel in ihrem Arbeitszimmer, lehnte sich zurück und schloss müde und traurig die Augen. Sie war fast eingedöst, als sie an ihrer Seite ein Vibrieren spürte. Sie öffnete die Augen. Ihr Handy. In der Tasche ihres Kleids. Sie holte es heraus und entsperrte es. Anstelle einer Telefonnummer stand auf dem Display Anonym. Sie las die SMS.

(Continues…)


Excerpted from "Was du getan hast"
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